Eine Hand ist mehr als fünf Finger

von Julia Laun

Ein Team ist mehr als die Summe seiner Mitglieder.

Unternehmensführung ist eine Kunst! Als Chef oder Führungskraft stehen Sie immer "zwischen den Stühlen". Ihre Position ist die Schnittstelle zwischen Innen und Außen, also zwischen dem Team Ihres Unternehmens und den Kunden und Partnern im Umfeld. An dieser Schnittstelle haben Sie den verschiedensten Anforderungen gerecht zu werden. Nach außen sind Sie Botschafter und Repräsentant Ihrer Firma, vertreten das Firmeninteresse, während Sie das Innere proaktiv gestalten. Von außen betrachtet ist es Ihre Aufgabe im Team/ im Unternehmen die Funktionsfähigkeit herzustellen oder zu erhalten. Dort vertreten Sie die Interessen von außen nach innen. Aber bitte vergessen Sie vor lauter Innen-Außen-Aktivität nicht die Unternehmensziele und die Erwartungen der Gesellschaft. Viele Einflüsse sind dabei nur schwer kalkulierbar oder nicht offen ersichtlich. Es ist an Ihnen, hier die Balance zu finden und die Position als Daumen Ihrer Hand einzunehmen.

Was wäre eine Hand ohne Daumen? Um die eigene Position zu finden oder zu stärken, ist es ratsam, sich mit den Ordnungen im Team zu befassen. Das Wort "Ordnungen" meint hier übergeordnete Prinzipien, die in Organisationssystemen wirken. Neben dem "Wirken" können Sie aber auch "Würgen", je nachdem wie die Ordnungen Beachtung finden. Stellen Sie sich vor: In Ihrem Team ist ein neuer, junger Mitarbeiter eingestellt worden. Er ist hoch qualifiziert, viel höher als alle anderen Teammitglieder. Er ist engagiert und innovativ, er bringt einige Neuerungen und Vorschläge für Arbeitsabläufe vom Studium mit. Die "Alten Hasen" im Team mit weniger frischem Wind, aber bedeutend mehr Erfahrung sind skeptisch und nicht bereit, etwas zu ändern. Innerhalb weniger Wochen entstehen im Team subtile Konflikte die sich auf die Arbeitsprozesse auswirken. Kundenbeschwerden gab es auch schon. Das "Mehr" aus der Summe der Finger ist gedeckelt. Das Team wirkt nicht mehr, es würgt. Sie sind der Chef, was tun Sie?

An dieser Stelle "würgen" gleich mehrere Un-Ordnungen. Der junge Mitarbeiter meint, sein neuestes Wissen habe einen höheren Wert als das Erfahrungswissen der älteren Mitarbeiter. Er ist aber von allen der Jüngste und noch dazu der Letzte, der ins Team kam. Um das Problem zu lösen, reicht eine einfache Arbeitsanweisung vom Chef nicht aus. Auch der umgangssprachliche Ausdruck: "Alter geht vor Schönheit" ist in diesem Fall nicht die erfolgversprechendste Lösung, denn Innovation wünschen Sie sich in Ihrem Unternehmen auch. Das subtile Kritikeln beiderseits würde wahrscheinlich weitergehen. Es gilt nun die Prinzipien der zeitlichen Reihenfolge, des höheren Einsatzes und des Kompetenzvorrangs anzuwenden und im Team eine Würdigung und Anerkennung aller Teammitglieder untereinander , je nach Prinzip herzustellen. Die "eine" Ordnung gibt es leider nicht, da sich die Prinzipien situativ überlagern. Sind Sie als Daumen gut positioniert, kennen Ordnungen, erkennen Störungen und leiten entsprechende Maßnahmen ein, so überzeugen Sie auch die alten Hasen von neuen Gedanken und der junge Mitarbeiter lernt die Erfahrungen und Vorteile der Alten zu schätzten. Wenn jeder Mitarbeiter in dem geachtet und geschätzt wird, was er an Leistungen für das Unternehmen mitbringt, wird das Potential für "Mehr" freigesetzt.

 

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