Die Unternehmensnachfolge - eine schwierige Entscheidung

von Torsten Hopp

Die Nachfolge für sein Unternehmen zu regeln ist aus unterschiedlichen Gründen keine leichte Aufgabe. Dieser Beitrag ist weniger aus wissenschaftlicher Sicht oder aus der Fachpresse abgeleitet als vielmehr aus eigener Erfahrung einer nunmehr seit über 25 jähriger Tätigkeit im steuerberatenden Beruf.

Wer wird mein Nachfolger?

Dies fragen sich Inhaber von Unternehmen unterschiedlicher Größenordnungen. Während dabei „kleinere“ Betriebe häufig überhaupt nicht an die Verkäuflichkeit denken, versuchen dagegen „größere“ Betriebe in der Regel einen Nachfolger zu finden, um den Kaufpreis auch zur Alterssicherung zu verwenden.

Bekanntlich ist unser Gehirn nicht das Fleißigste (u. a. speichert es deshalb Denkmuster ab, die bei Bedarf einfach abgerufen werden) und so ist die Überlegung, wer an meine Stelle treten kann ziemlich anstrengend. Dementsprechend wird das Thema verdrängt bzw. ständig aufgeschoben, zumal das Tagesgeschäft vermeintlich vorgeht.

Die „interne“ Lösung

Die Erfahrung zeigt, dass es zwar gelingen kann, einen Familienangehörigen an die Spitze des Unternehmens zu setzen. Immer mehr wird dies jedoch zur Ausnahme. Meistens gehen die Kinder andere Wege. Ein weiteres Problem: Arbeiten Kinder bereits seit Jahren im Betrieb mit, fällt es ihnen schwer, aus der Arbeitnehmerrolle in die Unternehmerrolle zu schlüpfen. Gleiches gilt für Arbeitnehmer, die nicht zur Familie gehören.

Ein Vorteil bei dieser Lösung besteht vor allem in den vorhandenen Kenntnissen über Strukturen, Betriebsabläufe und Beziehungen zu externen Partnern wie Banken bzw. Beratern.

Die „externe“ Lösung

Die besondere Herausforderung bei dieser Lösung besteht in der Suche nach einer geeigneten Person, die nicht nur den Kaufpreis bezahlen sondern auch das Unternehmen führen kann. In der Regel sehen die Inhaber ein Lebenswerk übergehen, welches auch erhalten bleiben soll. Der Zielkonflikt besteht somit auf der einen Seite in den Überlegungen den Kaufpreis zu nehmen und „los zu lassen“ oder auf der anderen Seite die soziale Verantwortung zur bisherigen Belegschaft. Im Gegensatz zur internen Lösung ist die Person des Übernehmers meist unbekannt.

Die Vorbereitung der Übergabe

Selten wird die Übergabe in kleineren mittelständischen Betrieben tatsächlich vorbereitet. Häufig kommt es erst zu Aktivitäten aufgrund des Druckes der Hausbank oder aus gesundheitlichen Gründen. Das widerspricht einer optimalen Übertragung. Ausbleibende strukturelle sowie operative Reformen einhergehend mit schwachen Bilanzkennzahlen führen bei der Unternehmensbewertung zu niedrigeren Unternehmenswerten und Verwunderung über den geringen Unternehmenswert beim Veräußerer. Ist noch ein Rechtsformwechsel erforderlich, benötigt dieser ebenso Zeit und kostet Geld.

Schließlich wird es künftig immer schwieriger einen Nachfolger zu finden. So ist anzuraten, das Nachfolgethema rechtzeitig anzugehen und ca. 3 bis 5 Jahre für diesen Prozess einzuplanen.

Die Berater

Während einer unternehmerischen Tätigkeit trifft man mit einer Vielzahl von Beratern unterschiedlicher Richtungen und Qualität zusammen. Dazu gehören der Bankmitarbeiter, Versicherungsmakler, Unternehmensberater, Rechtsanwälte, Steuerberater um nur die Wichtigsten zu nennen. Doch wem sollte man sich anvertrauen?

Wichtig ist, sich für einen Berater zu entscheiden, der umfangreiche Erfahrungen mit dem Nachfolgethema besitzt. Er sollte den Prozess koordinieren und alle anderen Beteiligten (z. B. Rechtsanwalt, Notar, Unternehmensberater etc.) einbinden. Gerade die zeitliche Komponente spielt nämlich eine entscheidende Rolle. Zieht sich der Prozess zu lang hin, sinkt das Interesse und die Übergabe scheitert möglicherweise.

Eine besonders intensive Zusammenarbeit besteht, jedenfalls in den meisten Fällen, mit dem Steuerberater. Er ist i. d. Regel erster Ansprechpartner und kennt das Unternehmen seit vielen Jahren. Dabei muss er, z. B. mangels Erfahrung, den Prozess nicht unbedingt selber managen. Oft spricht sogar die Berufsordnung dagegen, nämlich wenn er das Mandat nach Übergabe gern weiter begleiten möchte. Hier käme u. U. unser Netzwerk „Successor“ zum Zuge. Unser Interesse besteht ausschließlich den Nachfolgeprozess erfolgreich abzuschließen. Dazu gehört -als ein wesentlicher Punkt unserer Arbeit- unbedingt die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit bisherigen Beratern.

Im „Kreuzfeuer“ der Berater zu stehen, ist für jeden Unternehmensübergeber ein Desaster und kontraproduktiv.

Das Leben „danach“

Auch darüber sollten sich Menschen, die seit vielen Jahren -mit hohem zeitlichen Aufwand- ein Unternehmen führen, Gedanken machen. Manchmal fällt man dann in ein „schwarzes Loch“ und kann mit der plötzlich unbegrenzt zur Verfügung stehenden Freizeit nichts anfangen.

Ein Übergang mit reduzierter (weiterer) Mitarbeit im Betrieb (der auch kontraproduktiv sein kann) für eine Übergangszeit, das Engagement in einem Verein oder ein bzw. mehrere Hobbys wirken der „Langeweile“ entgegen.

Zusammenfassung

Die Unternehmensnachfolge birgt Chancen und Risiken. Die Schwierigkeiten lassen sich sehr gut bewältigen, je früher man sich diesem Thema widmet. Die Herausforderung ist sicher einen geeigneten Nachfolger zu finden. Die Unternehmensübergabe erfolgt nicht von heute auf morgen sondern sollte ein sorgfältig geplanter Prozess sein. Dabei sind externe Berater mit entsprechender Erfahrung hilfreich, wobei ein Berater des Vertrauens den Ablauf koordinieren muss.

Nach der Übergabe beginnt ein „neues Leben“. Auch damit sollte sich jeder Unternehmensübergeber rechtzeitig auseinander setzen.

 

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